Stein des Anstosses

Die kleinen Dinge des Lebens

oder

Warum ein gebrochener kleiner Zeh kein Unglück sein muss

Was machen eigentlich Food-Blogger? Sie schreiben über ausgefallene Lebensmittel, kochen komplizierte Rezepte nach und stellen davon Bilder ins Netz, die unseren Appetit so anregen, dass wir urplötzlich Lust auf Pizza beim Italiener bekommen.

Und was macht eine Foot-Bloggerin? Ja, du hast es erraten. Sie testet Fußprobleme.

Das könnte jetzt ein Witz sein, ist aber bitterer Ernst. Und doch könnte es schlimmer sein. Mein kleiner Zeh ist gebrochen.

Ist ja nicht so schlimm. Nur der kleine Zeh…

Den kleinen Zeh braucht der Mensch nicht mehr

Es gibt tatsächlich Wissenschaftler die behaupten, „dass sich der menschliche Körper im Laufe der Evolution so stark angepasst hat, dass einige Körperteile überflüssig geworden sind. Bis auf den großen Zeh, mit dem wir das Gleichgewicht halten, sind heute alle Zehen überflüssig. Die übrigen Zehen benutzten die Urväter nur, wenn sie sich festklammern wollten, so wie es Affen noch tun.“

Als Draufgängerin bin ich empört! Wie wichtig der Einsatz aller unserer Zehen ist, wurde mir beim Tanzen klar. Und nun merke ich bei jedem Schritt, dass auch unsere Minis eine Funktion haben. Ganz nebenbei endet am kleinen Zeh der Blasenmeridian. Grund genug, für den kleinen Zeh in die Bresche zu springen und auch ihn mit einem eigenen Artikel zu würdigen. Lies auch Dein großer Zeh. 

In Rita Fasels Buch über Fußdiagnose lese ich: Jeder Zeh ist ein Informant und gibt Auskunft über die unterschiedlichen Facetten des Lebens. Der kleine linke Zeh steht für Urvertrauen und Sexualität und sein Zwilling rechts thematisiert Angst und Respekt.

Kleinigkeiten machen die Summe des Lebens aus. – Charles Dickens

Es heißt ja immer, dass ein gebrochener Zeh mindestens sechs Wochen braucht, bis wieder heil ist. Auch wenn ich das nicht wahrhaben will: Es stimmt.

Es heißt auch, da kann man nicht viel machen.

Nichtviel-Liste:

  1. 6 Wochen Ruhe geben. (Wie soll das gehen?)
  2. Keine engen Schuhe tragen. (Versteht sich von selbst…)
  3. Kühlen. Gegen Schwellungen helfen Quarkwickel. (Hat mir diesmal nicht geholfen)
  4. Tapen. (Einen kleinen Zeh zu tapen ist eine Herausforderung.)
  5. Wenn es schlimmer ist, wird operiert.
  6. Ist auch der Nagel verletzt, muss er häufig entfernt werden…

Dein Arzt sieht auf dem Röntgenbild, wie es mit deinem Zeh bestellt ist. Bei einem gering oder nicht verschobenem Zehenbruch legt er einen Pflasterzügelverband an. Nennt sich Buddytaping. Dabei wird der Zeh am Nachbarzeh fixiert. Hier habe ich mir das zeigen lassen:

Wenn das Nagelbett verletzt ist, muss es ebenfalls behandelt werden, da es zu einer Deformation des Nagels und chronischer Infektion kommen kann. Ein verschobener Nagel muss entfernt und gegebenenfalls zugenäht oder entweder mit dem Originalnagel oder einem Kunstnagel geschient werden.

Wenn kein operativer Eingriff nötig ist, wird dir ein anderer Arzt vielleicht raten, viel barfuß zu gehen und den Zeh moderat zu bewegen. Nach ca. 3 Wochen in warmem Wasser (z.B. basisches Fußbad) mit sanften Greifbewegungen wieder sanft mobilisieren. So wird dein Zeh optimal mit Nährstoffen versorgt und Schlackenstoffe können abtransportiert werden. Eine gegensätzliche Meinung vertreten Ärzte, die einen Vorfußentlastungsschuh empfehlen, um den Zeh für zwei bis drei Wochen zu entlasten.

Was mein kleiner Patient besonders liebt ist Heilströmen: Dabei hältst du ihn so lange und zärtlich mit deinen Fingern, bis du ein Pulsieren spürst. Ansonsten werden Homöopathie, vor allem im akuten Zustand und Salben, z.B. mit Beinwell empfohlen.

Nun humple ich, um genau zu sein, sieben Wochen und drei Stunden und der kleine Bengel ist immer noch beleidigt und so geschwollen, dass ich in keinen anständigen Schuh passe. Das Universum sorgt für mich: Zwei Wochen vor meinem Malheur ist mein Sohn ausgezogen. Das heißt, er ist weg und hat so Kleinigkeiten mitgenommen, zum Beispiel den Bodenschrubber aber die meisten seiner großen Sachen hat er noch stehen lassen. Gnädigerweise auch seine Treckingschuhe, Größe 43. Die ziehe ich immer dann an, wenn ich es in meinen Turnschuhen nicht mehr aushalte… Ich erspare dir ein Bild davon.

Stein des Anstoßes oder Bettpfosten

Ich hab mir den Zeh nicht lehrbuchmäßig am Bettpfosten gebrochen, sondern passend an einem Kieselstein in der Isar. Bei 18 Grad Wassertemperatur war die Kühlung inklusive. Wie ich danach wieder in den Schuh kam, um nach Hause zu radeln ist mir heute schleierhaft.

Stein des Anstoßes bezeichnet ein Objekt oder ein Thema, das Auslöser eines Streites oder eines Ärgernisses ist. Geschichtlich gesehen wurde der „Stein des Anstoßes“, zum Fundament-Stein für ein neues Glaubensgebäude. Was mich betrifft, bin ich ein paar alte Glaubenssätze losgeworden und habe unglaublich viel gelernt.

Glückszeh

Als ich meinen pflaumenblauen Patienten versorgt habe, wurde mir klar: Aus der Bergtour am Wochenende wird nichts. Mit Tango auch nicht. Schöne Schuhe: Fehlanzeige. Und dennoch ist so einiges möglich. Fahrrad fahren, Pilates, Tanzen – barfuß natürlich, ein bisschen Yoga und damit erschöpft es sich schon.

Wenn ich schon aus dem Verkehr gezogen werde, dann richtig, dachte ich mir und fuhr für ein paar Tage auf ein wunderbares Retreat. Es ging um Weisheit. Vorher dachte ich, dafür hätte ich keine Zeit. Die Weisheitsgöttin Sophia hat wohl nachgeholfen.

Zehen stehen für die kleineren Details der Zukunft. „Alle Einzelheiten ergeben sich von selbst“ L. Hay“

Wann fühlst du dich Zuhause?

Vielleicht hatte die Göttin Sophia ihre Hand im Spiel, denn kaum war ich wieder daheim, mutierte ich zur Rumpelkammerverschönerin, Kruschentsorgerin, Aktenvernichterin und Platz-für-schöne-Dinge-Erschafferin.

Nachdem ich mich nun ein paar Jahre mit der Kunst, den eigenen Körper zu bewohnen beschäftigt habe, habe ich einige Parallelen zum Wohnen in den eigenen vier Wänden erkannt.

Was ist Liebe? Wenn Zuhause kein Ort ist, sondern eine Person

Mein kleiner Zeh hat mich dazu „gezwungen“, meine Wohnung mit anderen Augen zu betrachten. Dadurch, dass ich sehr viel mehr Zeit drinnen verbringe, habe ich viel ausgemistet und losgelassen. Ungeahnte Schätze ans Licht gebracht. Verändert, arrangiert, gefühlt, noch mehr losgelassen und vor allem: zugelassen. Ich habe erkannt, dass ich mir bisher die Erlaubnis, mir eine behagliche Höhle, ein kuscheliges Nest zu bauen verwehrt habe. Alles war zwar stets schön geordnet, übersichtlich und auf Funktion ausgerichtet, ich habe mich aber immer schwer getan, meine Wände, Decken und Böden zu beseelen.

ZUHAUSE – egal ob im eigenen Körper oder in den vier Wänden – fühle ich mich, wenn ich bei mir bin. Gesehen werde. Mich spüre. Raum ist für Weiblichkeit. Wenn ich „da“ bin.

Gut, dass du Food-Bloggern nichts nachkochen und mir als Foot-Bloggerin das Testen von Fußproblemen überlassen kannst. Wenn du dennoch mehr über dich erfahren möchtest, dann kannst du dir die Zehen „lesen“ lassen oder eine Feng Shui-Beraterin engagieren. Beide werden dir Ähnliches berichten.

Auf den Stöckel gebracht:

Louise Hay hat recht: Alle Einzelheiten ergeben sich von selbst. Und wenn es bei mir länger als sechs Wochen dauert, dann heißt das nur, dass ich noch so manches entdecken darf. Beim Ent-decken helfen dir auch meine Bücher und besonders der Onlinekurs Fußlust – statt Fußfrust.

Alles Liebe

Birgit

Wie ist das bei dir? Wann fühlst du dich Zuhause? Im Körper, in deinen vier Wänden? Und: Wenn du dir schon mal den Zeh gebrochen hast, wie bist du damit umgegangen?

Ich bin gespannt auf deine Sicht. Schreib einen Kommentar

4 Kommentare
  1. Isabelle sagte:

    Liebe Birgit,
    Ich sitze gerade schmunzelnd über Deiner Seite und habe den kleiner Zeh Artikel gelesen.
    Dabei hat ein Hämatit geschafft, meinen blutenden zweitkleinsten Zeh des linken Fußes soweit zu beruhigen, dass ich nun sicher die Spuren des Auffalls der Blende meiner Waschmaschinenkammer eigenständig beseitigen kann.
    Das Ausmaß des Schadens kann ich bestimmt auch bald begutachten und schaue dann, wohin mich der kleine Zwischenfall führt 🙂
    Fakt und Glück zugleich ist, der Zeh ist noch dran. Es hätte auch anders kommen können…
    Welche Freude und danke, dass er mich zu Deiner Seite geführt hat.
    Alles Liebe und herzliche, falls immer noch verärgert Genesungs -, Grüße
    Isabelle

    Antworten
    • Birgit sagte:

      Liebe Isabelle,
      Fakt&Glück ein Hämatit – da hab ich erst mal Wikipedia bemühen müssen: Ein Blutstein also. Einer, der gegen Blutergüsse verwendet wird. Interessant auch, dass mir gerade das PED in Wikipedia auffällt: Pedes – Der Fuß 🙂 Wie auch immer, wenn wir bei solch „Un-Glück?“ wissen wollen, was das nun zu bedeuten hat und dies rein rhetorisch und weil „so normal“ verlautbaren, bringt uns das nichts. Deshalb lade ich dich ein, dir spannende Fragen zu überlegen. Denn mit einem lädierten Zeh, ist frau ja nicht ausgehfreudig und kann sich genauso gut mit sich selbst beschäftigen. Zum Beispiel: Was darf ich hier erkennen? Was für ein Geschenk wartet auf mich? Ja, genau solche Fragen, die uns mit den Augen rollen lassen, bringen uns hier weiter als ein „Warum muss das mir passieren?“
      Danke für deinen inspirierenden Kommentar. Mein Zeh ist nicht mehr beleidigt… Alles Liebe – Birgit

      Antworten
  2. Marie sagte:

    Liebe Birgit,

    Nachdem ich mir vor 3 Wochen an meinerTür den kleinen Zeh gebrochen habe, war ich mal wieder auf der Suche nach Beiträgen die mir vielleicht helfen zu verstehen wie lange ein Zehenbruch dauert und wie man es 6 Wochen aushält Zuhause zu sein.

    Dabei bin ich auf deine tolle Seite gestoßen und möchte dir einmal „Danken “ dein Beitrag macht mir momentan sehr viel Mut.

    Denn auch ich habe mir vor 3 Wochen die Frage gestellt, wie machst du das alles im Alltag: „es ist doch nur ein kleiner Zeh “

    Pustekuchen nur ein kleiner Zeh.

    Ich bin alleinerziehende Mama, habe mich gerade erst getrennt und hatte bis vor kurzem noch einen stressigen Umzug zu meistern… mein Sohn musste die ersten zwei Wochen zum Papa ziehen, da ich nicht in der Lage war ihn zur Schule zu bringen. Unser kleiner Hund ist bei meinen Eltern untergebracht, den Gassi gehen, geht momentan überhaupt nicht.

    Ich hatte das Gefühl, jetzt zwingt mich mein kleiner Zeh zur Ruhe, denn sonst wäre ich wahaftlich nicht so zur Ruhe gekommen wie jetzt.

    Auto fahren ist auch jetzt noch nicht möglich, da es so sehr schmerzt die Kupplung zu treten, so bin ich noch länger an meine Wohnung gebunden.

    Ich habe bis jetzt viel gelesen, Netflix geschaut und bin auch ab und an mal durch die Unterstützung von Freunden raus gekommen.
    Eigentlich würde ich gerne meinen Keller entrümpeln so weit es geht, nur strenge ich mich zu sehr an, schmerzt es wieder mehr…

    Nun habe ich nochmal 3 Wochen vor mir und ich hoffe das es dann wirklich besser geht.

    Vielleicht hast du noch ein paar tolle Ideen und Tipps für mich?

    Denn in 4 Wochen fliege ich in den Urlaub, da ist es mein Ziel fit zu sein.

    Ganz liebe Grüße

    Marie

    Antworten
    • Birgit sagte:

      Liebe Maria,
      was für ein unverhofftes Geschenk… Eines, das wir am liebsten nicht annehmen und an den Sender zurückschicken wollen. 6 Wochen Auszeit! Zeit, unser Leben zu überdenken. Ausgebremst zu sein. Rückzug. Besinnung. Wenn wir dieses Geschenk jedoch annehmen und genauer in Augenschein nehmen, statt es zu den anderen ungeliebten Geschenken ins Regal zu stellen, können wir uns glücklich schätzen. Wenn wir uns das erlauben, wenn wir diesen Gedanken denken können. Und das tust du – Gratulation. Tatsächlich habe ich noch viele Tipps. Speziell für die Auszeit z.B. https://birgit-faschinger-reitsam.de/die-kunst-einen-kuehlschrank-zu-putzen/ oder https://birgit-faschinger-reitsam.de/zen-oder-die-kunst-das-chaos-zu-ueberstehen/
      Ansonsten schau mal in meinen Shop. Dort findest du meine Bücher oder den Onlinekurs Fußlust – statt Fußfrust, der dir für deine restlichen drei Wochen viel bringen wird.
      Alles Liebe und einen lieben Gruß an den Fuß, bzw. Zeh
      Birgit

      Antworten

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